Artikel-Schlagworte: „anders handeln“

handeln

Samstag, 10. Dezember 2011

Wenn Sie heute ein Problem lösen könnten, welches wäre es dann?”

Patienten und Klienten kommen normalerweise zu mir mit einem riesigen Packen an Problemen und Geschichten. Wo anfangen? Wo aufhören? „Nicht der Arzt heilt den Patienten, sondern der Patient heilt sich selbst. Der Arzt hält ihn lediglich so lange beschäftigt, bis er sich selbst heilt.“ Das sagte der große Menschenliebhaber Albert Schweizer. Und genau dieser Gedanke beantwortet mir als Therapeutin auch die Fragen – wo anfangen – wo aufhören.

Wo wir mit einer Therapie beginnen, das ist ja nicht meine Entscheidung, sondern die Entscheidung des Patienten; denn nur er selbst weiß bereits, welches Thema so weit an der Oberfläche des Unterbewussten liegt, dass es vom Bewussten aufgegriffen und betrachtet werden kann. So gibt es zwei Startfragen in jeder Therapie, in jedem Coaching für mich.
Die erste ist die: wenn Sie HEUTE – hier – jetzt ein Problem lösen könnten, welche wäre es dann?
Die zweite ist die: Woran erkennen Sie heute Nachmittag, morgen früh, dass Sie Ihr Problem gelöst haben? Was hat sich KONKRET verändert?

Die Arbeit an diesen Fragen führen Patienten und Therapeuten sicher aus dem Dschungel der vielen ungelösten Probleme, aus den Schlingpflanzen der alten Geschichten, die irgendwann einmal passiert sind im Leben und Verletzungen und Ängste zurückgelassen haben. Die Arbeit an diesen Fragen führt sicher ins JETZT und das ist der einzige Ort und der einzige Zeitraum, an dem wir handeln können. Genau jetzt – gerade jetzt und hier.

Das Handeln – nur das  Handeln – ist der große Heiler.
Anders handeln, als wir bisher gehandelt haben.

Das geht nur in ganz kleinen Schritten. Ich kann nicht mein ganzes Leben auf einmal aus den Angeln heben. Aber ich kann beginnen, achtsamer, aufmerksamer mit mir umzugehen. Und das kann ich nur im Handeln. Nur achtsamer, aufmerksamer zu denken, hilft mir nicht weiter und es hilft auch Ihnen nicht weiter.

Eine kleine Geschichte. Ich war vor einiger Zeit bei meiner ältesten Tochter zu Besuch. Sie hat einen sehr schönen Haushalt und kocht so, dass ich mich damit wohlfühle. Da ich aber bereits seit einer Woche in Hotels unterwegs gewesen war und immer nur in Restaurants gegessen hatte, hatte ich das Bedürfnis nach einem bestimmten einfachen Nahrungsmittel: Hefeextrakt auf Reiscracker. Beides hatte ich mir besorgt und freute mich auf eine nette kleine Küche bei meiner Tochter, mit einem Messer und einem Brettchen. In der Ankunftsfreude hatte ich meinen Einkauf im Auto vergessen. Nun saßen wir am Tisch und Katrin hatte wundervoll gekocht … und in mir sagte das alte Muster: „Ach, Susann, das sieht doch auch lecker aus. Den Reiscräcker mit Hefeextrakt kannst Du ja morgen noch essen.“ … tralalalalala … kennen Sie das auch? Sie haben ein Bedürfnis und in Ihnen sagt etwas: “Ach, ignorier das mal, das kannst Du ja imme rnoch machen – später – irgendwann….”
– ich sagte mir selbst laut. „NEIN! Genau das habe ich jetzt eine Woche lang gemacht, an gedeckten Tischen das gegessen, was lecker drauf steht und genau das hat mich dahin gebracht, wo ich heute stehe: keinen Appetit mehr, müde, abgearbeitet – JETZT ist Schluss! Ich gehe JETZT die drei Stockwerke runter zu meinem Auto. Ich hole JETZT meine Reiscräcker und meinen Hefeextrakt und gehe die drei Stockwerke wieder hinauf.“ Und genau das tat ich dann auch.

Und da meine Tochter sich bei mir schon beinahe über nichts mehr wundert, saß sie nur grinsend am Tisch und überließ mich meiner Übung „JETZT – anders zu handeln“. Wenn ich im JETZT nicht anders handle, als ich es immer getan habe, dann wird sich im „Morgen“ nichts ändern! Wie sollte es?

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, die überfrachtet ist von alten Traditionen, von dem, was man immer schon so gemacht hat, lohnt es sich, ein zweites Mal hinzusehen und zu schauen: tut mir das gut? Möchte ich das so? Wenn ich jetzt und heute eines meiner vielen Probleme lösen könnte, welches wäre es JETZT konkret?

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches, mutiges TUN und einen schönen 3. Advent.