Archiv für die Kategorie „Selbstcoaching“

vertrauensvoll hindurch

Freitag, 29. Juli 2011

 

Ich habe so eine gewissen „Loslassen-Allergie“ entwickelt.
Seit Jahren wird zunehmend zum „Loslassen“ geraten.
Für alles und jedes scheint das ultimative Rezept zu sein: „Laß doch mal los.“

Abgesehen davon, dass ein Mensch nur das loslassen kann, was er mal bewusst festgehalten hat, und Loslassen häufig auch mit „Fallenlassen“, Loswerden“, “garnicht erst in die Hand nehmen” verwechselt wird, geht es in den meisten Fällen nicht um das Loslassen. Byron Katie sagte: “Du kannst nichts loslassen! Du kannst Deine Gedanken überprüfen und dann lassen sie Dich los.” So herum geht es dann – wir werden losgelassen!

Dennoch gibt es da noch eine ganz andere Dimension.
Ich habe viele Jahre lang sterbende Menschen begleitet und eine sehr alte Dame erzählte mir eine wundervolle Geschichte aus ihrer Kindheit: Sie war in Ostpreußen geboren auf einem großen Bauernhof. Die Wasserversorgung des Bauernhofes geschah durch einen Brunnen. Einmal im Jahr musste dieser Brunnen gereinigt werden und dazu wurde immer das jüngste Kind der Familie in einem Eimer hinuntergelassen in den Brunnen. Da war es dunkel. Da war es eng und es war nass. Die Kinder waren klein; denn sie mussten ja in diesen Eimer reinpassen. Und dann hatten sie die Aufgabe, nachdem die Erwachsenen vorher, den Brunnen so leer wie möglich geschöpft hatten, dort unten das restliche Wasser in den Eimer zu schöpfen. Ganz alleine. Licht kam nur durch die über ihnen liegende Brunnenöffnung. Der Eimer wurde voll hinaufgezogen – würde er wieder runterkommen?
Das ganze Vertrauen war gefragt, um dort unten in diesem Brunnen alleine zurückzubleiben und auf den zurückkehrenden Eimer zu warten.
Irgendwann war nur noch der Grund trockenzulegen, der aus hellem Sand bestand. „Und wissen Sie,“ sagte die alte Dame, meine Hand streichelnd, „ das war immer der schönste Augenblick, da auf dem hellen Sand zu hocken, das letzte Wasser mit einer alten Kaffeetasse wegzuschöpfen und dann zu sehen, wie durch den Sand neues, klares Wasser quoll. Diese Erfahrung hat mich durch zwei Weltkriege und mein ganzes Leben getragen.“

Mich selbst hat diese Geschichte seit ich sie von meiner Patientin gehört habe, auch durch mein Leben getragen. Ich erkenne in dieser Geschichte, dass es nicht um „Loslassen“ geht, sondern darum durch die Einsamkeit, die Dunkelheit vertrauensvoll hindurch zu gehen, um dann zu erleben wie das Neue sich Raum nimmt.

ES geschieht – wie das Tao lehrt 
… was auch immer in meinem Leben gerade JETZT dran ist zu geschehen.

Ich wünsche Ihnen bewusstes Vertrauen – gerade auch dann, wenn es dunkel und eng ist in Ihrem Leben.

Angst

Samstag, 16. Juli 2011

In meiner Praxis sammeln sich gerade viele Menschen mit Angst und Ängsten.

Es ist 15 Jahre her, da war ich selbst für mehrere Jahre davon betroffen - von nächtlichen Panikattacken, täglichen großen und kleinen Ängsten. Ich lebte damals ein Leben, das immer enger wurde und in dem ich mit immer mehr Ängsten zu ringen hatte. Positives Denken half nicht. Die Ängste schienen viel mächtiger als ich.

Irgendwann war ich so “am Ende”, dass mir nichts anderes übrigbleiben, als die Angstwellen auszuhalten – ihnen zu begegnen – sie anzusehen und ich erkannte in diesem Ausgeliefertsein nach und nach, wie meine Ängste funktionierten.

1. Ich erkannte, dass ich selbst meine Ängste erschuf, in dem ich meine Einmaligkeit verglich. Das beständige Bewerten, Beurteilen, Vergleichen meiner selbst mit anderen Menschen, war ein großer Baustein für mein Haus der Angst.

2. Ich erkannte, dass ich bewertete, verglich, beurteilte, um zu beweisen, dass ich einer von mir selbst gelegten Meßlatte gerecht werden könnte – was mich dann wieder beruhigen sollte. Nur leider war mein innerer Kritiker so ungemein ausgefuchst, dass es mir selten gelang, diese – meine – Meßlatte wirklich zu überspringen. Ziele erreichen zu wollen, die nicht meine Ziele waren, war ein zweiter großer Baustein meiner Angstattacken.

3. Ich erkannte, dass anscheinend wir alle von Kleinauf so konditioniert sind, dass wir versuchen, jemand zu sein, der wir nicht sind. Das, was unsere Eltern uns als Liebe geben, ist nur bedingt Liebe; denn ganz häufig ist die elterliche Liebe an Bedingungen, an Ansprüche geknüpft, denen wir als Kinder versuchen,  gerecht zu werden. Und dann spüren wir in uns etwas anderes, etwas, was diesen Ansprüchen nicht gerecht werden kann, nicht gerecht werden will und wir verdrängen diesen Impuls in uns, weil wir von unseren Eltern, die etwas anders von uns verlangen, geliebt werden wollen. Und genau an diesem Punkt hören wir auch auf, uns selbst zu lieben. Das, was wir sind, der Impuls in uns, wird von uns selbst zurückgedrängt . Mich selbst für nicht ausreichend, nicht gut genug zu halten, mich in meinem einmaligen “Sosein” nicht lieben zu können, war ein dritter großer Baustein für mein Haus der Angst.

4. ich erkannte, dass ich selbst viele meiner Urteile erschaffen hatte, in dem ich mich den Urteilen anderer Menschen über mich kritiklos anschloß. Kritik gegen mich und Kritiklosigkeit gegenüber allen anderen war der vierte Baustein.

5. und ich erkannte, dass dies alles geschehen konnte, weil ich meine Orientierung nach außen gerichtet hatte – nur nach außen. Andere Menschen sollten mir Orientierung geben, andere wußten wie dieses Leben funktioniert, andere konnten mir den Weg weisen. Keine Minute verbrachte ich damit, meine Orientierung nach innen zu nehmen und in mir selbst nach Orientierung, Weg und Weisung zu suchen. Und diese innere Orientierungslosigkeit konnte ich fühlen. So war der fünfte Baustein, für mich der erste Stein, den ich abtrug und damit eine erste Bresche in die Wand des Angsthauses schlug. 

Mir wurde bewusst, dass die Zeit gekommen war, in mich zu gehen.
Innehalten.
Wertfrei mich selbst lieben – so wie ich bin – genauso bin ich gut.
ICH BIN ICH.

Seit meiner eigenen Heilung habe ich viele Menschen begleitet, auch Menschen, die schon seit Jahren Psychopharmaka nahmen, um ihre Ängste zu bekämpfen und ich bin mit ihnen diese 5 Schritte gegangen. Schritte der Selbst-Erkenntnis. Schritte aus der Enge, aus der Angst hinaus. Schritte in ein selbstbestimmtes Leben:

Lebens-Schritte

„Ach, das macht nichts!“

Mittwoch, 6. Juli 2011

Macht es wirklich nichts?

Eine Twitter-Freundin brachte das Thema auf und inspirierte mich zu diesem Artikel; denn wann immer ich „ach, das macht nichts“ höre, halte ich innerlich inne, fühle in mich hinein und spüre eine Diskrepanz.

 Hören tue ich „ach, das macht nichts.“-  Fühlen tue ich: „Doch! Es macht doch etwas.“ – „Es macht mir etwas aus.“ – „Du stehst hier mitten in meinem Territorium und ich möchte eigentlich, dass Du das nicht tust.“ – „Ja, verdammt noch mal, es macht mir was aus! Ich bin betroffen, verletzt.“

 Ich frage mich dann, warum sagt mein Gegenüber „es macht nichts.“ … und anscheinend macht es doch etwas. Mein Gegenüber fühlt sich betroffen, ärgert sich, fühlt sich einfach unwohl. Warum sagt er/sie mir das nicht ehrlich?

 Ich schaue dann auf mich. Wann sage ich „ach, das macht nichts!“ ?

Ich sage es immer dann, wenn ich keine Lust habe, mich mit einem anderen Menschen wirklich auseinanderzusetzen. Ich sage es auch dann, wenn mir der andere einfach nicht wichtig genug ist.
Ich sage es auch dann, wenn ich weitereilen will, etwas anderes im Kopf habe, als diese kurze Begegnung.

Da kippt jemand ein Saftglas um „ach, das macht doch nichts.“ Klar macht es etwas, aber ich habe jetzt gerade genug mit dem Aufwischen von dem Saft zu tun und eigentlich keine Lust, noch mehr Zeit und Kraft einzubringen.

Da hat jemand einen Termin mit mir verbasselt „ach, das macht doch nichts.“ Doch – es macht etwas! Ich habe umsonst gewartet, habe mich umsonst vorbereitet und ich bin tierisch wütend. Ich habe jetzt einfach keine Lust, mich mit dem Terminverbasseler auseinanderzusetzen.

Viele Beispiele gäbe es. Wo immer ich „ach, das macht doch nichts“ genauer ansehe erkenne ich: „Doch! Es macht etwas!“
Es macht etwas mit mir.
Es macht etwas mit der Situation.
Es macht etwas mit meiner Beziehung zu meinem Gegenüber.

Es hilft allen, ehrlich zu sagen: „doch es macht etwas!“

Zeit? – Zeit!

Dienstag, 21. Juni 2011

Zeit hat man nicht. Zeit nimmt man sich.

Ich habe keine Ahnung, wem wir diese Ge-danken zu ver-danken haben; dennoch bewegen sie mich nun beinahe schon ein Leben lang. Sie bewegten mich in einer Jugendzeit, die von den Terminkalendern meiner Eltern und dem “Leistung-erbringen-müssen” geprägt war – Sie bewegten mich als ich selber begann, einen Terminkalender zu führen und “Leistungen-erbringen-wollte”. – Sie bewegen mich heute, wo ich mit Menschen arbeite, die vor allem unter einem leiden:

… das Gefühl zu haben, nicht ausreichend Zeit zur Verfügung zu haben …

Ich beginne es mal andersherum: wie lange halten Sie es durch, vor sich hinzuhecheln? Probieren Sie es doch mal: Beginnen Sie jetzt einmal – so aus Spaß – zu hecheln.  … und schauen Sie dabei bitte auf die Uhr … wie lange schaffen Sie das? Wird Ihnen schon nach einer Minute Hecheln komisch im Kopf? Fühlen Sie schon nach 2 Minuten Hecheln, wie Ihr Herz auf einmal rast? Werden Sie kurzatmig und ringen nach Luft? … was noch?

o.k. – ich höre schon auf.  Unser Kopf DENKT, er könnte unsere Sinne, unsere biologischen Gegebenheiten einfach ignorieren. Er könnte einfach mit Gedanken und Vorstellungen voraneilen – vorauseilen – und irgendwie würden wir mit unserem Körper schon hinterherhecheln. Was daraus entsteht erleben wir alle tagtäglich: wir funktionieren, wir fühlen uns nicht wohl, wir werden auch krank – burnout ist in aller  Munde.

Bitte! Burnout und Co. sind nicht Seuchen, die vom Himmel fallen, sondern sie sind das Ergebnis von vielen kleinen Entscheidungen, die wir selbst getroffen haben und die sich auf den kurzen Nenner bringen lassen: Ich habe immer die Möglichkeiten der Entcsheidung= Ich kann ruhig durchatmen oder ich kann hecheln. Es ist unmöglich beides gleichzeitig zu tun!

Ich entscheide!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele Momente, in denen Sie sich für einen tiefen ruhigen Atemzug entscheiden und dabei vielleicht auch entdecken, dass der Atem 3 Phasen hat: einatmen – ausatmen – Atempause!

Zeit ist der Raum, den ich planungsfrei zulasse.

 

 

 

zur Kenntnis nehmen

Sonntag, 3. April 2011

“Das ist zur Kenntnisnahme gedacht, nicht zur Stellungnahme.” Ina Müller

Wer Ina Müller kennt, kann das locker-schnodderige Selbstverständnis hören, in dem sie das sagt. 
Und da sind wir auch mitten im Thema: Selbstverständnis.
Unser eigenes Selbstverständnis ist ja häufig eines, dass gerne von außen eine Bestätigung bekommt. Das läuft dann so: “Ich gehe heute Abend ins Kino”…einatmen … ?Atmen anhalten? … ausatmen … lauschen …  der andere sagt nichts?            “äähhh, ich gehe heute Abend ins Kino! Kommst Du mit?” – Antwort: “Nö, ich hab’ noch was zu tun.”  … und spätestens hier geht die Bombe dann hoch: wir fühlen uns abgelehnt, nicht gesehen, ignoriert, sind verletzt und gehen…. nicht … ins Kino. Wir wären ja gegangen aus lauter Liebe zu dem anderen……

Vielleicht beobachten Sie sich selbst einmal, wie häufig Sie etwas sagen, wo Sie innerlich eigentlich eine Stellungnahme Ihres Gegenübers erwarten ( erhoffen, ersehen, wünschen, benötigen, dringend brauchen), um bestätigt zu bekommen, dass das, was Sie jetzt gerade denken, fühlen, wollen, sagen genauso “gut” und “richtig” ist.
Das ist so die Bewegung des Anglers: die Angel mit einem Köder dran weit auswerfen, in der Hoffnung einen Fisch zu fangen. Sprich: eigentlich erhoffen wir uns so einen Dialog: “Ich gehe heute Abend ins Kino!” – Antwort: “Oh Schatz, was für eine wundervolle Idee. Würdest Du mich bitte mitnehmen.”

Um so einen Dialog authentisch zu erfahren, benötigen wir keine Angeltechnik, sondern das innere Selbstverständnis, dass wir Dinge FÜR UNS SELBST tun. ICH gehe heute Abend ins Kino, weil ICH daran Spaß habe. Nur für mich.  Ich intoniere anders, wenn ich für mich eine klare Entscheidung getroffen habe. Ich trete anders auf, wenn ich für mich eine klare Entscheidung getroffen habe. Ich kenne meinen eigenen Raum und meine eigenen Möglichkeiten. Ich kenne meine Bedürfnisse und sorge gut für mich. 
Ich gebe jetzt nur die Information weiter “Ich gehe heute Abend ins Kino.” Punkt – kein Atemanhalten – kein hoffnungsvolles Warten auf Bestätigung. Mein Gegenüber kann das einfach nur zur Kenntnis nehmen – zu mehr war es nicht gedacht.
UND DANN kann er seine eigene Entscheidung fällen. Er wird nicht gelockt, nicht gedrängt, nicht subtil manipuliert. Meine Entscheidung ist ganz klar. ich gehe für mich und mit mir ins Kino.

Diese Klarheit führt dann im Umkehrschluss auch dazu, dass ich Dinge, Aussagen, Meinungen, Situationen, die auf mich zukommen, einfach zur Kenntnis nehme. Punkt. Ich bin nicht gefragt, Stellung zu nehmen zu Themen die andere bewegen. Ich nehme sie einfach zur Kenntnis.

Klarheit in sich selbst und über sich selbst hilft zu einem entspannten Leben. Fragen Sie sich: brauche ich eine Stellungnahme oder gebe ich nur eine Information zur Kenntnisnahme heraus? Ich wünsche Ihnen eine klare Kommunikation.

Gegenspieler

Sonntag, 27. März 2011

“naja, wenn man es so will haben wir  heute Abend gegen uns selbst gespielt.” Jogi Löw Deutschland : Kasachastan 4:0

Meine Kinder sind in Indien zur Schule gegangen. Drei Jahre lang. Als erstes mussten sie Schuluniformen anziehen. Meine Kinder fanden das gut. Endlich gab es keine Kleidungskonkurrenz mehr, auch kein Nachdenken mehr am Morgen „Was ziehe ich bloß an?“ Das Thema Kleidung war kein Thema. Alle trugen Schuluniform und so konnten sich alle auf andere Dinge konzentrieren als die neuesten Markenjeans und warum ein Mitschüler das Geld hatte, sie sich leisten zu können und anderer das Geld nicht hatte.
Nachdem meine Kinder drei Wochen Schüler an der Schule waren, wurden wir zu einem ersten Elterngespräch gebeten. Vor der Schulleiterin lagen kleine Zettel, die sie uns einzeln vorlas. Jeder der Lehrer hatte über jedes unserer Kinder eine handgeschriebene Beurteilung abgegeben. Wir saßen da und waren perplex, irritiert, orientierungslos; denn was wir hörten, hatte nichts mit dem zu tun, was wir bisher an Beurteilungen aus deutschen Schulen erhalten hatten. Da war keine Rede von Noten, da war keine Rede von Maßstäben, da war keine Rede von Ranglisten innerhalb der Klasse. Jeder einzelne Zettel war ein “Liebesbrief” an eines unserer Kinder.

Auf den Zetteln standen Gedanken über die Begabungen, die Fähigkeiten, die Entwicklungschancen unserer Kinder. Nur das Kind selbst innerhalb seiner eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten wurde betrachtet. Wir waren sprachlos.

Die Schulleiterin erklärte uns mit größter Selbstverständlichkeit, dass wir in unserem Leben nicht in Konkurrenz zu irgendeinem anderen Menschen stünden, sondern immer nur in Konkurrenz zu uns selbst. Die Aufgabe eines Pädagogen sei es, dem Menschen, den er begleitet, seine Stärken UND seine Schwächen bewusst zu machen. Nur dort, wo ein Mensch sich ganz kennt und in allen Anteilen anerkennt, kann er das im Leben tun, wozu er in diese Welt gekommen sich: sich selbst verwirklichen – seine Begabungen Wirklichkeit werden lassen – und nur das würde dann der Gemeinschaft dienen.
Ja, lesen Sie diesen letzten Absatz ruhig noch einmal inRuhe. Für uns war das eine neue Welt und wir brauchten sehr lange bis wir verstanden, was das eigentlich bedeutet.

In allen mir bekannten europäischen und amerikanischen Bildungssystemen stehen wir von Beginn in Konkurrenz zu anderen. Wir erleben uns selbst im Vergleich zu anderen: wir sind besser als andere oder wir sind schlechter als andere. Wir erreichen ein Ziel, das alle erreichen sollen oder wir erreichen es nicht. Wir befinden uns meistens im „Außen“ und selten im „Innen“. Wir fragen uns als erstes: „Mache ich das richtig?“ und schauen, was die anderen dazu sagen. Ob wir es „richtig“ gemacht haben oder nicht entscheiden dann die anderen.

Wann haben Sie sich zum letzten Mal gefragt: „Fühle ich mich wohl mit dem, was ich hier tue?“

Dieser permanente Blick nach außen, dieser Vergleich mit anderen, begrenzt uns selbst. Wir machen uns kleiner als wir sind, oder wir machen unsgrößer als wir sind. Wir eiern rum und wissen am Ende nicht mehr genau wer wir eigentlich sind. In diesem ganzen ständigen “Anpassen” und “Einpassen” werden wir uns selbst fremd.

Hätte Jogi Löw die Kasachen als Maßstab genommen, dann hätten wir wohl 1:1 gespielt.  Er ging das anders an: er wußte, was seine Mannschaft kann und er trainierte ihr Bewusstsein: schönen, mitreißenden Fußball sollten sie spielen, sich als Mannschaft wohlfühlen, egal wer da sonst noch so auf dem Platz rumrannte. 

Wie oft denken Sie in Dimensionen von:  „man“ – „wir“ – „alle“ ?
Wie oft denken Sie in Dimensionen von: „Ich“ – „mich“ – „meins“ – „für mich“?

Und wie oft handeln Sie so, dass es für Sie selbst eindeutig richtig ist und Sie sich einfach dem hingeben “schönen Fußball für sich selbst spielen” - egal wer da noch auf dem Feld steht?

richtig sehen

Montag, 21. März 2011

“Jeder Mensch, der schreiben kann, kann auch zeichnen.” Betty Edwards

So einfach ist das! :-) Ich hatte mir das Buch von Betty Edwards gekauft, um mal wieder ein bißchen zu zeichnen. Das habe ich bisher nicht getan, sondern ich habe stattdessen ein neues Coachingseminar aus diesem Zeichenbuch entwickelt. Beim Lesen wurde mir immer bewusster wie eng dieser 40 Jahr alte Zeichenlehrgang mit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat.

Viele von uns zeichnen wie Kinder, trauen sich nicht zu z.B. ihre eigene Hand zeichnen zu können und wenn sie es versuchen, dann hat das Resultat wenig Ähnlichkeit mit der eigenen Hand. Wir zögern, malen in Symbolen schöne Herzen, Bäume, Sonnen aber dringen nicht zu dem vor, das zu zeichnen, was wir wirklich sehen. Betty Edwards führt es sehr schön aus, dass Zeichnen nicht eine Frage der handwerklichen Geschicklichkeit ist, sondern eine Frage des Sehens. So hat sie ihre Schülern Bilder nachzeichnen lassen, die auf dem Kopf standen. Die Kinder konnten sich nicht mehr in einem “fertigen Bild” oberflächlich-überfliegend orientieren und dann das zeichnen, was sie sich vorstellten, dass es auf dem Bild sei. Sie mussten sich stattdessen das “Auf-dem-Kopf-stehende-Bild” Stück für Stück erarbeiten und kopieren und erreichten fantastische Resultate, weil sie gezwungen waren genau hinzusehen, was da eigentlich wirklich zu sehen war.

Ich sehe hier große Parallelen zu den Blockaden, mit denen wir es im Coaching immer wieder zu tun haben. Unsere Klienten sind blockiert, weil sie auf eine Vorstellung sehen. Es sind die eigenen Vorstellungen, die Angst machen, die zu falschen Reaktionen verleiten, die zu Mißverständnissen führen. Es sind die eigenen Vorstellungen davon wie eine Situation oder ein Mensch “ist”, wie ein Nahrungsmittel “ist”, was im eigenen Körper gerade passiert, die in die Krankheit führen.  Es sind die eigenen Vorstellungen davon, wie wir selbst zu sein haben: dünner, dicker, reicher, schöner, jünger, berühmter – alles fremde Bilder geprägt von Fernsehen, Zeitschriften und anderem mehr. Aber haben Sie wirklich mal 10 Minuten in den Spiegel geschaut und einfach nur mal wertfrei hingesehen, was Sie da sehen? Wertfrei? So als wollten Sie das, was Sie sehen, zeichnen? Ich sehe immer nur in ihrer Einmaligkeit wunderschöne Menschen in meiner Praxis und auch in meinem eigenen Spiegel.

Das genau Hinsehen auf das, was JETZT gerade wirklich ist, führt uns sofort aus der Vorstellung in die Realität. Klienten sind bei der Frage, was sie jetzt gerade tun, sehr schnell präsent und angstfrei: “Ja, jetzt gerade sitze ich hier im Sessel.” Punkt – kein Problem.  Die Realität im Hier und Jetzt ist immer sehr viel besser, heilender, sanfter, liebevoller als jede einzelne unserer Vorstellungen.

In der Realität, im genauen Hinsehen auf das, was ist, konnten alle Schüler von Betty Edwards zeichnen! Und Sie können das auch. Naja, vielleicht ist Zeichnen ja garnicht Ihr Ziel, aber mit Ihrem Leben im Einklang sein, ruhig sein, angstfrei sein, entspannt und glücklich sein – alles das können Sie gerade jetzt auch. Schauen Sie ganz genau hin – nur auf das, was IST.

Mein Leben – mein Coach

Montag, 7. März 2011

Das Leben auf dieser Erde unterliegt physikalischen Gesetzen. Tag und Nacht, Mann und Frau usw. – uns allen hinlänglich bekannt und kurz zu fassen: es gibt zwei Pole! Diese Pole stehen immer in einer Beziehung zueinander. Das wird im Yin-Yang sehr schön gezeigt. Das Schwarze hat eine Kraft im Weißen, das Weiße hat eine Kraft im Schwarzen, d.h. verstärke ich z.B. das Schwarze verstärkt es sich auch im Weißen. Ich kann das eine nicht ohne das andere verstärken – auch hinlänglich bekannt und kurz zu fassen: Resonanz.

Alles, was im eigenen Leben passiert ist somit kein Zufall, kein böses oder gutes Schicksal, sondern von uns selbst inszeniert und angezogen. Ah, na das ist nun eine wichtige Erkenntnis! Es bedeutet im Klartext, alles, was ich Außen als belastend erleben, kann ich im Innen ändern und dann stellt es sich auch im Außen anders dar! Alles, was ich im Außen erlebe ist ein Spiegel – nur ein Spiegel meiner selbst.

Und nun kann der große, befreiende Schritt kommen: “Mein Außen” ist mein Coach! Mein ganzes Leben ist mein Coach. Tag für Tag. 24 Stunden am Tag. Ob an der Kasse am Supermarkt, an der roten Ampel, im Gespräch mit Freunden, im Krieg mit Feinden, ob in Wut über “…” oder in Freude über “…” – Alles spiegelt mich selbst 1:1.

Als ich das für mein Leben kapiert hatte, entstand eine riesige Entspannung und Leichtigkeit. Ich brauche nur noch hinzusehen, was so um mich herum passiert und weiß was ich brauche. Ich erfahre, was mir schadet. Ich spüre, was mich nährt. Ich kann über jeden Schritt, über jeden Gedanken selbst entscheiden.

Und was sehen Sie? Schauen Sie doch einmal genau in das Auge! – Vielleicht schauen Sie sich selbst einmal genau in die Augen. Im Spiegel.

Das eigene Potenzial

Sonntag, 13. Februar 2011

“Jeder Mensch ist überzeugt davon, daß ein größeres Potenzial in ihm steckt.”  Ralph Waldo Emerson

…. und dann … wo immer wir wünschen, dass dieses größere Potenzial sich zeigen möge, passieren irgendwelche komischen Dinge. Wir werden krank vor einer wichtigen Prüfung oder vor einer Veranstaltung, auf die wir uns wirklich sehr, sehr gefreut hatten (Maria Riesch!), wir sind in Unfälle verwickelt, wir bleiben unterhalb unserer eigenen Möglichkeiten, wir empfinden uns als blockiert, frustriert, enttäuscht über uns selbst. Am Ende hat “das Schicksal” es eben nicht gewollt und wir geben uns mit sehr viel weniger zufrieden, einfach aus der Angst heraus, wieder eine enttäuschende Erfahrung zu machen, wie schon die vielen Male zuvor.

Warum fällt es uns so schwer, mit Freude und Kraft das eigene Potenzial mit Leben zu füllen und auszuschöpfen?

Eine Antwort (von sicherlich vielen möglichen Antworten) gab Bode Miller (Sie sehen ich bin begeisterte Ski WM-Verfolgerin) : “Ich fahre Ski, weil ich es liebe zu fahren und zugleich liebe ich es, unten zu sitzen und einem Rennen zuzuschauen.”  Merken Sie was? Es gibt kein Urteil, keine Bewertung. Ohne Urteil, ohne Bewertung gibt es auch keinen Mangel. Alles ist gut. Bode Miller liebt es, Ski zu fahren und er liebt es genauso, einfach zuzusehen.

Alles ist gut.

Wir scheitern so häufig, weil wir das, worauf wir uns so, so, so freuen, unbewusst mit einer Wertung belegen, die zeigt, dass wir den statusquo, den wir gerade erleben als mangelhaft empfinden. “Wenn ich das erreicht habe / wenn ich das getan habe… , DANN ..” DANN bin ich glücklich, DANN geht es mir gut, DANN bin ich da, wo ich hinwill.” Maria Riesch MUSS als “Lokalmatadorin” auf ihrer “Heimatrennstrecke” Medaillen “schaffen”.  Erst DANN ist sie wirklich gut, hat sie wirklich ihre Klasse bewiesen. … und sie wird krank.

Wir scheitern so häufig, weil wir aus dem “Jetzt” fallen, aus dem Genuss dessen, was jetzt ist. Leben kann immer nur in diesem Atemzug gelebt werden, erfahren werden, genossen werden.  Je mehr Erwartungen, Bewertungen, Hoffnungen ein Mensch hat, desto eher steht er in Gefahr, damit zu scheitern; denn um “dahinten” anzukommen, ignoriert er, wo er sich JETZT gerade befindet. Die Fixierung auf das “DANN-ist-alles-besser” impliziert, dass es JETZT gerade nicht ausreichend gut ist. “Jetzt existiert ein Mangel (sagt der Kopf), aber dann/dahinten hast Du die Chance, diesen Mangel zu beseitigen.” … und wir legen los, um den vermeindlichen Mangel zu beseitigen und scheitern.

Wir wäre es denn damit: “Dann” kann es nur gut sein, wenn es “JETZT” bereits gut ist?!

Bewusstes Atmen, bewusstes Hinsehen, bewusstes Innehalten und Feststellen, wie es einem gerade JETZT geht, IST gelebtes Potenzial! Das eigene Potenzial IST! Es ist immer da, es zeigt sich jede Minute, wo Sie gehen und wo Sie stehen. In jedem Atemzug.

Wie geht es Ihnen JETZT -  gerade – in diesem Atemzug?

 

 

Wer richtig liebt

Freitag, 4. Februar 2011

„Wer richtig liebt, der findet sich selbst. Die Meisten aber lieben, um sich zu verlieren.“ Hermann Hesse

Die eigene Einmaligkeit ist keine Verhandlungs- oder Diskussionsgrundlage. Einmaligkeit IST.

Überall dort, wo Menschen, ihre eigene Einmaligkeit zur “Diskussionsgrundlage” machen, geschehen schmerzhafte Übergriffe. Die Übergriffe gehen in zwei Richtung – zum einen von innen nach außen zu dem anderen: Ich bin jetzt mal nett. Ich weiß, was Dir hilft und ich helfe Dir jetzt mal.  - zum anderen von dem anderen zurück zu uns selbst:  Ich war doch nett zu Dir, auch wenn es mir weht tat, weil ich hoffte, dass Du… mir helfen kannst, mich liebhast, mir Geld gibst, mich da unterstützt, wo ich mich selbst nicht unterstütze. Und das alles tust Du nun nicht?!  

Leben wir nicht alle mit der Hoffnung: Liebe DU mich da, wo ICH mich ablehne …  und dafür gebe ich Dir auch jenseits dessen, was ich überhaupt in der Lage bin zu geben. – ? -

Mit diesem Verhalten verkaufen wir uns selbst scheibchenweise. Wir werden innerlich langsam leerer, irritierter, orientierungsloser. Kurz und rund: wir verlieren uns selbst in diesem Prozess.

Wer richtig liebt, der findet sich selbst. Wer richtig liebt, der steht mitten im Wasserfall der Liebe - wertfrei, bedingungslos – und sein Lebensglas wird beständig und überschwappend mit der Liebe zu sich selbst gefüllt. Aus diesem übervollen Glas der Liebe, schwappt dann bedingungslose, authentische, wertschätzende Liebe zu allen meinen Mitmenschen – ohne dass ich das er-leiste, er-diene, mich selbst verleugne und verliere.

Die Liebe zur mir selbst beginnt mit der Frage:

Was brauche ich jetzt von mir für mich?