Die Natur scheint das Vergangene gründlich zu beenden. Derzeit erinnert gerade nichts mehr an Blütenpracht und Vogelstimmenvielklang, an Farben-Fülle, Sonne, Früchte. Das Leben in der Natur hat sich verlangsamt. Vielleicht auch für uns selbst eine Chance, um uns zu verlangsamen, ja – innezuhalten. Vielleicht mögen Sie, bewusst und mit Zeit, das zu Ende gehende Jahr ein wenig “Revue passieren lassen”, die eigene Entwicklung, das eigene Sosein – in Ehrlichkeit vor sich selbst.
Die längste Nacht, der kürzeste Tag rücken näher und damit auch das Thema Dunkelheit, innere Ängste, innere “Dämonen”: Anteile von uns, die wir am liebsten in den Keller verbannen würden und den Schlüssel wegwerfen wollten. Alte Traditionen inszenieren am Ende des Winters diese “Vertreibung der Dämonen” mit vielfacettigen Faschingsbräuchen.
“Innere Dämonen” stehen für mich für das Thema “Nicht-zu-sich-selber-stehen”. Wir bewerten ”gut” und “böse”. “Gut” hätten wir gerne “böse” lehnen wir ab. Das Ende vom Lied ist ein Wettrennen, ein Kampf “gegen” das “Böse” = das, was wir an uns selbst nicht schätzen, nicht haben wollen, ablehnen. Und es endet in einer Erfahrung, die viel Kraft nimmt: Ein Klient sagte es neulich so: ”Ich fühle mich nicht angenommen.”
Der Gegenpol dazu wäre, das “Zu-sich-Stehen” und in dem Moment, wo ich ohne Wenn und Aber zu mir stehe, so wie ich bin, passiert etwas Erstaunliches: Ich fühle mich angenommen. Denn zuerst muss ich mich selbst annehmen, ohne jedes Wenn und Aber, genauso wie ich bin, dann erst kann ich wahrnehmen, wie sehr ich von Umgebung angenommen und geliebt bin.
Hier liegt der Schlüssel zu Wärme und Licht, zu Freude und Leichtigkeit, die dann mit dem Frühjahr wieder kommen: die dunkelste Stelle – die längste Nacht – durchschreiten wir in uns selbst, in dem wir vom “ich nehme mich nicht an” zu einem bedingungslosen und liebevollen “ich nehme mich genauso an, wie ich bin” durchdringen.
Einfach mal innehalten und … sich selbst ohne Wenn und Aber annehmen. Es lohnt sich, ein wenig zu üben.
Mehr zum Winter auch hier “Wenn das Leben auf den Magen schlägt”



