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Selbstbegrenzung

Freitag, 20. Januar 2012

“Jumping to solutions”

Einer der ganz großen und sehr effektiven „Selbstbegrenzer“ ist ein Phänomen, dass die Engländer so bezeichnen: „Jumping to solutions“.
Ich finde diesen Begriff sehr passend – und habe dafür keinen äquivalenten deutschen Ausdruck außer der banalen Übersetzung: auf Lösungen springen – zu Lösungen springen.

Das Phänomen ist Folgendes:
Ein Problem zeigt sich – ein Angstgefühl – eine Irritation – eine Fragestellung.
Die erste, beinahe automatische Reaktion ist die:
Wie kann ich es lösen?
Was ist die Antwort?
Wie komme ich von meiner Angst weg?
Ich will das jetzt nicht!
Ich will was anderes!

Fluchtreflex – Totstellreflex – Kampfreflex.
Es ist unser Stammhirn, das hier arbeitet und sofort in Aktion springt.
Jumping to solutions.

NUR …
Die Lösungen, zu denen wir so reflexartig gelangen, sind niemals „neue“ Lösungen, sondern immer die alten wohlbekannten, hundert Mal geübten Lösungen.  Die Selbstbegrenzung ist fest vorprogrammiert auf diesem Weg.

Innehalten
Aushalten

Hang onto – sit with it ….  sind andere englische Ausdrücke, für die ich kein Äquivalent im Deutschen habe.

Wie will ich ein Problem wirklich lösen, wenn ich es nicht eindeutig erkannt habe?
Wie will ich eine Antwort finden, wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Frage überhaupt richtig gestellt ist?
Wie will ich aus einer Irritation in eine Sicherheit finden, wenn ich nicht genau erkannt habe, was mich –konkret, genau – so irritiert?

Die Botschaft ist die: Bleibe erst einmal an dem Problem  – nach dem Motto:
„Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!“

Schau Dir die Frage genau an und schau, ob die Frage überhaupt stimmt, bevor Du nach einer Antwort suchst!
Ergründe die Untiefen eines Problems – einer Irritation.
Nimm das „Hindernis“ als Herausforderung an!  Gehe wie ein Springreiter den Hindernisparcour bewusst hinsehend ab, prüfe jedes einzelne Hindenris genau, begreife es (auch gerne in Sinne von Anfassen). Ich habe da auch immer unseren Nachbarnbauern vor Augen, der im Frühjahr von seinen Söhnen jedes einzelne Feld ablaufen läßt. Hinter dem Jungen rollt ein Traktor mit einer riesigen Schaufel und der Junge sammelt von Hand die Steine aus dem Acker. Dieser Jungbauer kennt seinen Besitz, kennt jeden Acker und die damit verbundenen Herausforderungen in- und auswendig!

Erst dann, wenn Du Dir alles genau angesehen hast, erst dann ist das Ding mit der “Lösung” dran.
Und was ich dann immer wieder erlebe: habe ich ein Problem durchdrungen, erscheint die Lösung meist von selbst, ganz leicht, ganz frei, ganz einfach.

 

 

 

2012 – drei Wünsche

Montag, 2. Januar 2012

gute Wünsche für das neue Jahr. Ja, auch von mir.

Ich wünsche Ihnen (und mir) in diesem vor uns liegenden Jahr:
Mehr Klarheit – und weniger Kompromisslastigkeit
Mehr Ehrlichkeit – und weniger Runterschlucken
Mehr Liebe zu sich selbst – und weniger angestrengtes Vonanderengeliebtwerdenwollen.

Und NEIN, ich rede hier nicht dem Krieg das Wort. NEIN!  Aber – bitte -  schauen Sie doch einmal hin: Leben Sie wirklich in Frieden mit sich selbst? -  und mit anderen? Oder lebten Sie in 2011 nicht eher  in vielen “faulen”  Kompromissen, in übergroßen Anstrengungen und das im überwiegenden Fall mit dem Gefühl, sich für andere zu verausgaben? Den Kompromiss für den anderen einzugehen? Diese Anstrengung für den anderen auf sich zu nehmen?

Und JA, wir sind eine Gemeinsschaft von Menschen und JA eine Gemeinschaft sollte sich umeinander kümmern. Aber dieses “Kümmern” muss doch erst einmal bei mir selber beginnen. Wie – bitte – kann ich einem anderen Menschen und seinen Bedürfnissen gerecht werden, wenn ich mich ständig selbst “vergewaltige”? Wie soll das gehen? Ich pfeife auf dem letzten Loch und denke, für einen anderen etwas Gutes tun zu können? Woher will ich die Kraft, die Liebe, die achtsame Hinwendung nehmen – in meiner eigenen Kraftlosigkeit? Wie soll das gehen?

Und so wünsche ich Ihnen und mir Klarheit.
Klarheit darüber, was Sie für sich benötigen. Klarheit über Ihre Bedürfnisse. Klarheit darüber, was Ihnen Kraft gibt, Klarheit darüber, was Sie belastet. Um dann in dieser Klarheit in Ihrem eigenen Leben eine gute innere Ordnung zu haben. Um aus dieser Klarheit heraus zu wissen: was ist meins und was ist deins. Und wenn jeder genau das klar weiß, dann ist der Kompromiss  keine Belastung, keine Anstrengung mehr,  sondern dann entwickelt sich aus “meinem” und “deinem” häufig ein kraftvoller dritter Weg und kein belastender Kompromiss.

Und ich wünsche Ihnen Ehrlichkeit.
Ehrlichkeit sich selbst gegenüber – über Ihre wahren Gefühle und Ihre wahren Motive. Es ist nicht nötig, das in Worten in die Welt zu tragen. Wichtig ist nur, dass Sie mit sich selbst ehrlich sind, dann werden Sie Ehrlichkeit beinahe “automatisch” ausstrahlen. Und Sie werden staunend feststellen, dass Sie viel seltener in Situationen kommen, in denen Sie irgendetwas “runterschlucken” müssen. Sie ziehen es einfach nicht mehr an; denn Sie haben aufgehört, sich selbst etwas vorzumachen.

Und ich wünsche Ihnen Liebe zu sich selbst.
Nur dort, wo ein Menschen sich selbst  bedingungslos annimmt (genauso wie er/sie ist) und bedingungslos liebt, nur dort wird er auch einen anderen Menschen bedingungslos lieben können. Nein, bitte kein “Ich liebe Dich, weil….” mehr.  Sondern ein staunendes, offenes, wertfreies: Ich liebe mich. Ich liebe Dich. Jeder ist so, wie er ist, JETZT und HIER – perfekt.

Leben mit diesen Drei Kräften: Klarheit, Ehrlichkeit, Liebe – führt zu einem Leben, das weniger von Zweifel und Selbstzweifel beherrscht wird, das eindeutiger ist, das stressfreier ist, das erfüllter ist und letztendlich sehr viel leichter, freier UND hingebunsvoller ist.
Es ist die Basis, um in echtem Frieden miteinander leben zu können, weil Frieden in mir / in Ihnen herrscht.

Frieden in Ihnen – DAS wünsche ich Ihnen für 2012 von ganzem Herzen.

Erfolg

Montag, 24. Oktober 2011

“Lehrt Eure Schüler nicht, Schiffe zu bauen, lehrt sie die Sehnsucht nach dem offenen Meer.” Saint-Exupéry

Was sagt dieser Gedanke aus?
Mich bewegt er sehr, vor allem in der Begegnung mit meinen Klienten.

Ich beginne mal von einer anderen Seite. Jeder von uns kennt begabte Menschen z.B. Handwerker oder Künstler, die nicht so bekannt und berühmt sind, wie sie es eigentlich “verdienen” würden. Jeder von uns kennt dann auch wiederum weniger begabte Menschen, die es irgendwie zu einer Bekanntheit und Berühmtheit gebracht haben. Und irgendwo schleicht sich ein Gefühl ein von “die Welt ist ungerecht” oder “es ist nicht zu verstehen” oder ähnliches.

Nur wenn ich mir die einzelnen Szenarien genau betrachte, dort, wo ich die Möglichkeit habe, also vor allem und besonders bei meinen eigenen Klienten und bei mir selbst, da entdecke ich, dass der Erfolg in den seltensten Fällen an die Begabung gekoppelt ist. Der Erfolg eines Menschen scheint an seine persönliche Sehnsucht, an seine Vision gekoppelt zu sein. Die Psychotherapie nennt das auch das “gestaltende Ich” und ich empfinde diesen Begriff als zutiefst zutreffend.

Wonach habe ich Sehnsucht und wie gestalte ich den Weg dorthin?
Wieviel leichter würde es mir von der Hand gehen die Kunst des Schiffbaus zu lernen – um bei dem Gedanken Saint-Exupéry zu bleiben – wenn ich als treibende Kraft, als “gestaltendes Ich” die tiefe Sehnsucht hätte auf’s offene Meer hinauszusegeln? Wie begeistert würde ich mir ein Schiff bauen, wenn ich vom offenen Meer begeistert wäre!?

Unsere innere Sehnsucht zeigt sich vielschichtig, ist jedoch aus meiner Wahrnehmung am ehesten dort zu greifen, wo wir Begeisterung empfinden. Und ich denke, irgendwie haben wir das alle in der Schule schon erlebt: Da gab es Fächer (oder auch Lehrer!), die uns begeisterten und es gab Fächer (oder auch Lehrer!), vor denen es uns gruselte, wo es eine Qual war, im Unterricht still zu sitzen und später Zuhause auch noch Hasuaufgaben zu erledigen.  Und in vielen Fällen hat diese schulische Begeisterung dann dazu begeitragen, dass aus dem geliebten Fach ein Beruf wurde.

Was begeistert Sie? Heute? Hier? Jetzt?

Menschen, die erfolgreich im Leben sind, stellen sich diese Frage immer wieder neu, egal wie alt sie sind. Und es ist gut möglich, dass sich die eigene Begeisterung verändert im Laufe des Lebens.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie der Sehnsucht Ihres Herzens folgen und sich immer wieder neu begeistern lassen, um Ihr Leben erfolgreich und kraftvoll selbst zu gestalten.

 

 

wie!

Samstag, 8. Oktober 2011

Dass ich sterblich bin, das ist das stärkste Werkzeug für mich, große Entscheidungen in meinem Leben zu treffen. Fast alles fällt von mir ab, wenn ich den Tod gewärtige. Es gibt keinen Grund, niemals, nicht Deinem Herzen zu folgen.  ~Steve Jobs

Auch ohne ein Apple-fan zu sein, berührt mich der Tod von diesem mutigen, visionären Mann tief. Steve Jobs lebte energisch, konsequent, greifbar, sichtbar, fühlbar genau das, wovon wir alle wissen, dass wir es auch so tun könnten. Nur tun wir es (meistens) nicht!

Nein, ich meine damit nicht, Milliarden zu verdienen, die waren ihm selbst auch nicht so wichtig. Ich meine damit:

  • das eigene Leben bewusst aus dem und mit dem zu gestalten, was unsere Realität uns an Spielmöglichkeiten anbietet
  • in allem, was geschieht, ein Aufforderung zu sehen, weiter zu wachsen, bewusster zu werden, genauer hinzusehen
  • das Leben als solches genauso wie das Sterben zu umarmen, ohne es zu bewerten, zu vermeiden, zu verdrängen
  • und letztendlich voller Sinn und Erfüllung die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu verwirklichen = sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Das alles ist für mich Lebensqualität!
Wir haben die Wahl, unserer Lebenszeit Qualität zu geben. Es ist eine Entscheidung, die ich jeden Moment neu treffen kann, treffen darf und treffen muss. Sich “nicht-zu-entscheiden” ist keine Wahl, denn auch jede “Nicht-Entscheidung” ist eine Entscheidung!

Ich wünsche Ihnen allen, Mut zu sich selbst, ein großes JA zu dem, was gerade in Ihrem Leben Realität ist und das Bewusstsein, dass Sie es sind, die entscheiden, wie Sie diese – Ihre – Realität weiter gestalten wollen.

Am Ende ist es nicht wichtig, was wir gelebt haben, es ist nur wichtig wie wir gelebt haben. Vor allem für uns selbst.

Stau

Sonntag, 14. August 2011

 

Mein jüngster Sohn hat vor 8 Jahren die Schule verlassen und so ist mir der bundesdeutsche Ferienkalender entglitten. Samstagnachmittag habe ich anscheinend einen Rückreisehöhepunkt erwischt und stehe auf der Autobahn im Stau. Alles lief so gut, dann die weite Kurve und dahinter … Stau! Es steht 25,8 km bis zur nächsten Ausfahrt – kein Weiterkommen, kein Rauskommen, Ruhe, 100m Weiterrollen, Warten.
Zwischen innerlichem Fluchen und kopfschüttelnden Lachen über mich selbst bleibt mir viel Zeit zum Nachdenken. Und ich denke: JA > willkommen im Leben!

Erleben wir das nicht auch genauso im Alltag? Ich erlebe das genauso in meinem Alltag! Da lief es alles wunderbar und dann reißt das kraftvolle Fließen ab, dann stecke ich fest, dann bin ich wie blockiert und nichts geht mehr. Aus heiterem Himmel. Eben noch mit 130 kmh unterwegs und direkt hinter der Kurve steht es. Netterweise haben die bereits Stehenden ihre Warnblinkanlagen eingeschaltet, dass ich rechtzeitig bremsen kann. Das wiederum passiert im Alltag selten, dass da irgendwo eine Warnblinkanlage aufleuchtet. Da stürzen manche Menschen ungewarnt direkt in den Burnout, in die Colitis, in irgendeine andere Krankheit – und alles war doch so gut gelaufen.
Da schreibt mir ein Freund, dass sein Schwager mitten im Urlaub direkt nachdem er eine mail an ihn geschrieben hatte, stirbt. Und alles war doch so gut gelaufen.
Da bleiben die Aufträge aus. Und alles war doch so gut gelaufen. 

Wie bewusst leben wir?

Erleben Sie diesen Atemzug, diesen Moment ganz bewusst, ganz wertfrei? Oder huschen Sie mit einem Kopf voller Plänen über diesen Moment hinweg, weil Sie gedanklich ganz woanders sind? Sind Sie sich dessen bewusst, was Sie jetzt gerade TUN? Und wie steht es mit Dankbarkeit, Freude, Genuss? Wie steht es um Gelasssenheit, Vertrauen und um ein Lächeln nicht nur auf den Lippen, sondern auch in den Augen?

Ein Lächeln in Ihren Augen ist für Sie fühlbar und bringt nicht nur Ihr ganzes Gesicht zum Lächeln, sondern breitet sich auch zu Ihrem Herzen aus. Sie können spüren, wie Sie tiefer atmen, wie Ihr Herzschlag sich beruhigt, wie eine wohlige Entspannung sich im Körper ausbreitet und wie Sie immer präsenter werden, immer bewusster in dem Moment ankommen, in dem Sie JETZT gerade einatmen – ausatmen – einatmen.

Ich rolle mittlerweile lächelnd und entspannt mit der Blechlawine mit und genieße diese unverhoffte Pause nach 3 Tagen intensiver Arbeit in Berlin.

Ich wünsche Ihnen täglich viele kleine Momente des bewussten Lächelns.
Gerade auch dann, wenn es nicht so läuft, wie Sie das mal geplant hatten.

müssen?

Sonntag, 10. Juli 2011

 

„Ich muss …“

Wie sehr bestimmt dieser Gedanke Ihren Alltag?

Diesen Gedanken gibt es auch in dieser Form: „Der muss …“ – „ die sollte aber …“ – „also das muss aber …“ – „wenn der das so und so gemacht hätte, dann….“ – „man muss …“ usw.

Dahinter steht immer eine Vorstellung. Eine Vorstellung darüber, wie diese Welt im Prinzip und speziell im eigenen Leben „funktioniert“. Nur wissen wir wirklich wie diese Welt „funktioniert“? Dazu müssten wir in die Zukunft blicken können. Um in die Zukunft blicken zu können, müsste diese Zukunft jedoch „fertig geplant“ sein. Die Zukunft ist aber nicht „fertig geplant“. Die Zukunft ist einfach nur die Frucht dessen, was ich jetzt tue.

Mit jedem „Müssen“ verlasse ich das Jetzt.  Fühlen Sie mal:

„Ich muss noch Schlagsahne einkaufen.“ – „Ich muss noch die Küche fertig putzen.“ – “Ich muss noch das Hemd bügeln.“ – “Ich muss noch die Umsatzzahlen für 2010 ermitteln.“

In welchem Zeitraum bewegen Sie sich gedanklich?

Im JETZT?

Nein! Sie bewegen sich in einer imaginären Zukunft; denn wenn … ich die Schlagsahne eingekauft habe, dann …. kann ich den Kuchen backen – wenn ich die Küche fertig geputzt habe, dann …. – wenn ich das Hemd gebügelt habe, dann …. – ja selbst wenn ich die Umsatzzahlen ermittelt habe, dann  …. – Nein – dann weiß ich noch lange nicht, wie mein Umsatz in 2011 wird!

Wir fallen mit jedem „Müssen“ aus dem Jetzt und JETZT ist der einzige Zeitraum, in dem wir überhaupt handeln können. Sie können gerade nur in diesem Atemzug handeln, mehr Handlungsraum gibt es nicht.

Lassen Sie doch aus dem „Müssen“ zum einen Muße entstehen und Sie werden erstaunt sein, wie leicht Ihr Leben läuft und wie völlig natürlich Ihr Handeln geschieht. Und lassen Sie aus dem “Müssen” zum anderen ein “Wollen” entstehen und Sie werden spüren, wie sich Ihre Lebenskompetenz potenziert.

Die Muße und das Wollen sind Entscheidungen, die jeder Mensch so nur für sich selbst treffen kann.

Wertschätzung

Montag, 16. Mai 2011

Im Elsaß, wo ich gerade Urlaub mache, erfahre ich wieder einmal, wie bereichernd bewusste Wertschätzung im Leben ist.

 Villé ist ein wunderhübscher kleiner Ort, der einmal reich geworden war durch Webereien, dann visionär genug war, die alten Gebäude zu erhalten und heute im Sommer sicherlich Touristenströme anzieht. Villé ist im April/Mai bis auf wenige verstreute Touristen wie uns, sich selbst überlassen und leistet sich auch jenseits der Touristenströme drei famose Bäckereien, eine Schlachterei, einen Krämerladen mit Käse, Obst und Gemüse und vier Sorten exquisiten Kräutertees und geschätzten 20 Sorten Wein im Halbdunkel des hinteren Ladenteils.

Die Auswahl in jedem der Läden ist überschaubar klein und ausgesucht, ohne teuer zu sein.

Wir leisten uns hausgemachte Pate (80g), hausgetrockneten Elsässer Schinken 5 hauchdünne Scheiben (54gr.), 30 gr. Käse, eine handvoll frischer, reifer Aprikosen und ein Baguette. Wir bezahlen für alles keine 5 Euro und gehen hochbefriedigt über diese Einkaufserfahrung zum Zeltplatz, wo wir ein geradezu königlich anmutendes Abendbrot genießen.

 Es ist nicht nur der Genuss dieses Abendbrotes in der untergehenden Sonne, der mich nährt. Es ist auch die vorangegangene Begeisterung der Schlachterin für ihren Schinken. Die freundliche, sachkundige Beratung der Krämersfrau, die drei Käsesorten aus der Region und einen guten Rat anzubieten hatte: „egal welcher Käse und egal welcher Wein, so lange sie aus der selben Region kommen, schmecken sie immer, wenn man sie gemeinsam genießt; denn sie sind auf demselben Boden gewachsen: das Gras, das die Kuh gefressen hat und der Boden, in dem die Weinrebe wurzelt. Das macht den Geschmack aus!“  

 Reichtum entsteht da, wo ich Wertschätzung erfahre und lebe.  

Und wie ist das für Sie?

Heilung erlauben

Samstag, 16. April 2011

 

Neue Horizonte

Je stiller wir sind,  umso mehr hören wir hin.

Je langsamer wir leben, umso mehr Zeit haben wir.

Je mehr Liebe wir verschenken, umso reicher ist unser Herz.

Jochen Mariss

 

Diese Gedanken wurden mir von einem guten Freund geschickt und in mir ist ein tiefes: JA - so ist es!

Nur dann….  dann sind da diese ganzen alltäglichen “Normalitäten”. Termine, Ziele, die innerhalb eines festen Zeitplanes erreicht werden müssen, Ansprüche, die verwirklicht werden müssen, Wichtigkeiten, die unmöglich unwichtig werden können … und schon sind wir Gejagte und Gehetzte und spüren selbst nicht mehr, wie sehr WIR  SELBST dieses ganze laute Stress-Szenario in unserem Leben kreiert haben. 

Wir spüren uns selbst nicht, weil wir gerade “in uns drin” überhaupt nicht still sind, wir leben nicht langsam und wir sind uns selbst gegenüber einfach nur lieblos. Dies alles nehmen wir so nicht wahr, weil das Adrenalin, das mit dem Stress einhergeht, eine euphorisierende Wirkung hat und wir von unseren ganzen Aktivitäten, von unseren ganzen Wichtigkeiten und Dringlichkeiten geradezu “high” sind.

Auch ich rechne mich unbedingt zu den Adrenalinjunkies.  Und weil ich das seit vielen Jahren weiß, dass es so ist, achte ich gut auf mich. Ich weiß, dass ich innerhalb einer Situation nur schwer “runterdrehen” kann, das ist so, das bin ich. Und ich erlaube mir, meine Kraft und mein Adrenalin zu leben.

UND ich erlaube mir auch lange Auszeiten. Zeiten, in denen ich nicht zu erreichen bin, in denen sich internet und Telefon mit sich selbst beschäftigen müssen. Zeiten, in denen ich mir erlaube, entspannt zu sein und voller Muße und Ruhe den Tag auf mich zukommen lasse.

Aus dem lauten Machenmüssen in die entspannte Stille zu gehen, gelingt nicht in einem Tag. Es ist ein Weg, der Achtsamkeit braucht. QiGong, Meditation, Spaziergänge können dabei helfen, vielleicht auch ein Fitnessprogramm oder eine schöne Shiatzu Behandlung oder eine Ausstellung, ein Konzert. Alles, was in die eigene Entspannung führt, ist richtig. Jeder hat seinen eigenen Weg. Und nein, machen Sie bitte kein großes “Jetzt-entspann-ich-mich-Programm”. Fühlen Sie, was sich zeigt und erlauben Sie, Zeit und Raum. Vertrauen Sie, dass Ihr inneres Selbst schon weiß, was es jetzt braucht. 

Sie spüren, dass Entspannung sich einstellt, wenn Sie das “Machen” und das “Müssen” losgelassen haben. Wenn Sie voller Muße und Ruhe, den Tag auf sich zukommen lassen können. Der Tag selbst bringt die Aufgaben, die heute in Ihrem Leben zu lösen sind, nicht mehr, nicht weniger.

Ich erlaube mir jetzt, in den Urlaub zu gehen und schreibe mein nächstes Blog in einem Monat. 

Ich wünsche allen meinen Lesern: Liebe zu sich selbst, aus der letztendlich alles erwächst. Die innere Stille, das richtige Lebenstempo, die eigene Heilung.

Schluss mit Paddeln

Sonntag, 13. März 2011

Kennen Sie das? Sie vergessen die Zeit. Sie sind fasziniert von dem, was Sie gerade tun. Alles fließt völlig natürlich. Jedes auftretende kleine Hindernis empfinden Sie als Wegweiser. Alles erfüllt Sie mit einer tiefen Freude.

Diese Erfahrung kann bei jeder Tätigkeit, überall und immer eintreten. Und – nein – nennen Sie es bitte NICHT “Alphazustand”. Alles, was passiert ist eins: Sie lassen zu, dass Ihre rechte Gehirnhälfte - für Sie spürbar – in Aktion treten darf. Diese rechte Gehirnhälfte ist die meiste Zeit unseres Lebens mit sich selbst beschäftigt, weil wir so derart mit unserer linken Gehirnhälfte beschäftigt sind, dass wir garnicht bemerken, wie unendlich viel größere Ressourcen wir an Bord unseres Lebensschiffes haben.

Es ist in etwa so, als wären Sie Kapitän eines der modernsten, schönsten, schnellsten Ozeanriesen (Ihr Potenzial) und anstatt die Maschinen und den Computer (Ihre rechte Gehirnhälfte) mal ranzulassen, holen Sie sich ein Paddel, öffnen ein Bullauge im Keller und versuchen, Ihren Ozeanriesen mit Hilfe dieses Paddels (linke Gehirnhälfte) durch die Weltmeere zu paddeln. Ja, Sie lachen jetzt oder schütteln den Kopf – aber, es tut mir leid, das sagen zu müssen: Genau das tun wir alle! Indem wir unsere Tage vollstopfen, viel Denken, viel Reden, viel Wissen in uns reinstopfen, viele Termine haben, paddeln wir unter größter Kraftanstrengung unseren Ozeanriesen durch die Weltmeere und sind auch noch stolz auf diese “Leistung”.

Die Frage, die Sie jetzt vielleicht stellen: wie werfe ich denn den Computer und die Maschinen an? Die Antwort darauf: Die rechte Gehirnhälfte wird im Gegensatz zur linken Gehirnhäfte (= jetzt denken wir mal nach!)  NICHT “angeworfen – sie IST “an” – IMMER. Die rechte Gehirnhälfte zeigt sich und ihr Können, wenn mir mal loslassen, Raum geben, Dinge geschehenlassen, Zeit haben – bitte nicht vor dem Fernseher.

Es geht nicht um: “etwas anderes tun”, sondern es geht um: NICHTS TUN!

Maschinen und Computer laufen die ganze Zeit parallel zu unserer wilden Paddelei, sie sind immer an, selbst im Schlaf. Der “Flow” tritt ein, wenn wir wirklich einmal nichts tun, nichts denken, die Zimmerdecke anstarren (oder vielleicht netter: aus dem Fenster gucken!) und zur Ruhe kommen.

Es lohnt sich z.B. mal mit diesem Buch einen Einstieg zu wagen: Ulrich Schnabel Muße oder wirklich einmal so lange garnichts zu tun, bis Sie sich von etwas magisch angezogen fühlen und dann in ein Tun kommen, in dem Sie Zeit und Raum vergessen.

Neugier und Staunen in 2011

Freitag, 31. Dezember 2010

“Ich mache, um etwas zu machen, nicht, um es gemacht zu haben.” (Karl Lagerfeld)

Bitte lassen Sie sich diesen Satz einmal auf der Zunge zergehen, ganz langsam, nachfühlend. Wir sind alle so geprägt, dressiert, konditioniert, dass wir etwas machen, um es gemacht zu haben. Wir wollen: a) es fertig haben – b) es hinter uns haben – c) einen Erfolg sehen – d) ein Ziel erreicht haben – e) Anerkennung erfahren – f) einen feedback bekommen … naja und vieles, vieles mehr. Vielleicht mögen Sie die Liste für sich selbst fortsetzen. Warum tun Sie, was Sie tun?

“Ich mache, um etwas zu machen, nicht, um es gemacht zu haben.”

Machen, um zu machen. Das kleine Kind, das mit Bauklötzen spielt, lebt genau nach dieser Devise. Es spielt und erlebt, was sich entwickelt, im nächsten Moment ist es schon wieder etwas anderes. Es gibt kein Ziel, kein Scheitern, nur den Fluss des Spielens.

Der Erwachsene, der dann dem Kind die Anregung gibt, z.B. einen Turm zu bauen, zerstört in diesem Moment das Spiel, denn nun gibt es Ziel, das erreicht werden soll. Und ist das Ziel erreicht, der Turm steht, dann gibt es eine ungeheure Verlusterfahrung, wenn der Turm umfällt. Das Kind erlebt sich und sein Spiel als gescheitert, es gibt Tränen.

Wie viel freier ist ein Leben, das der Neugier folgt, das dem Spiel folgt, das immer voller Staunen ist, weil es weder Ziel noch Scheitern gibt, sondern “immer nur” eine neue Erfahrung.

Ich wünsche uns allen, dass 2011 ein Jahr des Spiels, ein Jahr der Neugier, ein Jahr des Staunens wird – am Ende des Jahres werden wir vor allem staunen wie entspannt, gesund und zudem noch erfolgreich wir waren.