„Ein Schuft ist, wer mehr gibt, als er hat.“ Dieser Spruch wird einem der Männer um Graf Stauffenberg zugeschrieben. Wir leben in einem gesellschaftlichen Selbstverständnis, das alles in irgendeiner Form „machbar“ erscheinen läßt. Erfolg, Geld, Fett – kann man absaugen, Alterserscheinungen – reparieren usw. Man muss “es” nur wollen, dann kann “man” “es” auch erreichen.
Nicht nur in meiner Praxis, sondern auch bei den lieben Kollegen sammeln sich jedoch die Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen an dieser Machbarkeit keine Teilhabe mehr haben. Menschen, die sich verausgabt haben, ja, leer gebrannt haben. Um aus dieser Lage heraus zu kommen ist es häufig nötig, das eigene Leben sehr drastisch zu verändern. Es kommt zu schmerzlichen Einschnitten, Dinge sein zu lassen, die bisher Teil des eigenen Selbstverständnisses waren. Das sind mitunter sehr lange Prozesse bis der Punkt erreicht ist, wo man zu sich selbst umkehren kann. Diese Umkehr ist der Punkt, wo ein Mensch sich selbst, seine Fähigkeiten, seine Kraft wieder eindeutig fühlen kann und wertschätzen kann. Es ist der Punkt, wo ein Mensch auch mal “Nein” sagen kann. Der Punkt, wo er beginnt, sich selbst mehr zu vertrauen, als dem, was man tut.
Dort, wo wir im Leben Leidensdruck haben, lohnt es sich, sich die Frage zu stellen: „Lebe ich innerhalb meiner eigenen Kräfte oder gehe ich hier über meine Grenzen –> verausgabe ich mich?“
Und es lohnt sich auch, sich immer wieder zu fragen:”Nehme ich wahr, was mir gut tut? Und vertraue ich meiner Wahrnehmung?”

